Freisprechfeier 2026
vorgestern
Traditionell wurden auch 2026 am letzten Freitag des Schuljahres die frischen Gesellinnen und Gesellen des Schreinerhandwerks aus Augsburg Stadt und Land im Rahmen der feierlichen Freisprechfeier der Schreiner-Innung Augsburg freigesprochen.
Mit der Freisprechfeier der Schreiner-Innung Augsburg haben in diesem Jahr 9 Absolventinnen und 23 Absolventen ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. In der festlich geschmückten Staudenlandhalle in Fischach würdigten Vertreter aus Handwerk und Kommunalpolitik die Leistungen der jungen Schreinergesellinnen und Schreinergesellen. Im Mittelpunkt standen nicht nur der erfolgreiche Abschluss der Ausbildung, sondern auch Verantwortung, lebenslanges Lernen und die Zukunft des Handwerks.
Obermeister Gebhard Winter erinnerte daran, dass die Absolventinnen und Absolventen bereits vor drei Jahren einen neuen Lebensabschnitt begonnen hatten. Sie hätten vertraute Strukturen verlassen, neue Herausforderungen gemeistert und gelernt, Verantwortung zu übernehmen sowie im Team zu arbeiten. Mit der Freisprechung beginne nun erneut ein neuer Abschnitt. Die gewonnene Freiheit bedeute, eigene Entscheidungen zu treffen und zugleich die Folgen des eigenen Handelns zu tragen. Freiheit müsse entwickelt und gepflegt werden und finde ihre Grenzen dort, „wo die Freiheit des Anderen beginnt“, zitierte Winter den Philosophen Immanuel Kant.
Die Redner waren sich einig, dass der Ausbildungsabschluss nicht das Ende des Lernens markiert. Stefan Schröter von der Handwerkskammer für Schwaben sprach von einem neuen Kapitel im Leben der jungen Fachkräfte. Sie dürften stolz darauf sein, den Titel der Gesellin beziehungsweise des Gesellen in einem traditionsreichen Handwerk zu tragen. Die Ausbildung habe nicht nur fachliches Können vermittelt, sondern auch die persönliche Entwicklung gefördert. Gleichzeitig stünden den Absolventinnen und Absolventen zahlreiche Wege offen – von der Weiterbildung bis hin zu vielfältigen Karrieremöglichkeiten. Mit einem Plus von 12,5 Prozent bei den Auszubildenden verwies Schröter auf die positive Entwicklung im Handwerk. Zugleich dankte er den Ausbildungsbetrieben für ihr Engagement.
Auch Festredner Sebastian Bernhard, Bürgermeister der Gemeinde Adelsried, warb dafür, den eigenen Weg mutig weiterzugehen. Das Handwerk sei nicht nur Tradition, sondern vor allem Zukunft. Qualifizierte Schreinerinnen und Schreiner würden dringend gebraucht. Der Gesellenbrief bilde ein solides Fundament. Ob Technikerschule, Meistertitel oder ein ganz anderer Berufsweg folge, müsse jeder für sich entscheiden. Lernen höre jedoch nie auf. Es bedeute, sich weiterzuentwickeln, offen für Veränderungen zu bleiben und aus Erfolgen ebenso wie aus Rückschlägen zu wachsen. Entscheidend seien weniger die Noten als die persönliche Haltung, die Bereitschaft, Fragen zu stellen, und der respektvolle Umgang miteinander. Die jungen Gesellinnen und Gesellen seien in den vergangenen drei Jahren vor allem „im Kopf“ gewachsen.
Benjamin Früchtl, Bürgermeister des Marktes Fischach, bezeichnete die Ausrichtung der Freisprechfeier in der Staudenlandhalle als liebgewonnene Tradition. Er machte den Absolventinnen und Absolventen Mut, falls ihr weiterer Lebensweg noch nicht bis ins Detail feststehe. Das Schreinerhandwerk schaffe Werte und Erinnerungen, die Menschen oft ein Leben lang begleiteten. Viele Bürgerinnen und Bürger, mit denen er Tag für Tag in Kontakt ist, erzählten mit Stolz, woher ihr Esstisch, ihr Schrank oder andere Möbelstücke stammten. Das Handwerk sei deshalb weit mehr als ein Beruf. Es begleite den Menschen sinnbildlich von der Holzwiege bis zur Holzurne.
Mit einem persönlichen Rückblick erinnerte sich Gebhard Winter an den Moment, als er vor 41 Jahren seinen Gesellenbrief erhielt. Die Freude über den Abschluss sei damals kaum anders gewesen als heute. Er empfahl den jungen Fachkräften, zunächst Berufserfahrung zu sammeln und sich durch Leistung zu beweisen. Weiterbildung könne darauf aufbauen. So entstehen mutige Entscheider und kreative Neudenker – Persönlichkeiten, die die Gesellschaft braucht.
Zugleich machte Winter auf den hohen ehrenamtlichen Einsatz aufmerksam, der hinter der Organisation der Freisprechfeier stehe. Stellvertretend nannte er Lehrlingswartin Sonja Litzel-Ziganke und die weiteren Ehrenamtlichen, die die Veranstaltung ermöglichten. Er appellierte an die Innungsbetriebe, sich künftig wieder stärker einzubringen. Nur so könnten Veranstaltungen wie diese auch kommenden Generationen von Junggesellinnen und Junggesellen erhalten bleiben.
Neben den Ansprachen standen die Leistungen des Abschlussjahrgangs im Mittelpunkt. Alle 32 Absolventinnen und Absolventen nahmen ihre Gesellenbriefe und Prüfungszeugnisse entgegen. Im Anschluss würdigte die Schreiner-Innung Augsburg die besten Leistungen des Jahrgangs. Den ersten Platz bei den praktischen Prüfungsleistungen belegte M. Dischler (Lehrbetrieb Thoma Innenausbau GbR), gefolgt von E. Ziegler (Lehrbetrieb Lehle). Als Prüfungsbeste des Jahrgangs wurde P. Zehender (Lehrbetrieb KJF Berufsbildungs- und Jugendhilfezentrum Sankt Elisabeth) ausgezeichnet.
Ebenfalls prämiert wurde der Gestaltungswettbewerb „Gute Form 2026“. Den ersten Platz sicherte sich E. Ziegler und qualifizierte sich damit für den Landeswettbewerb des Fachverbands Bayern. Den zweiten Platz belegte M. Dischler. Über den Publikumspreis, der unter den ausgestellten Gesellenstücken vergeben wurde, durfte sich F. Seeger (Lehrbetrieb Gerhard Huber) freuen.
Für den feierlichen musikalischen Rahmen sorgte die Blasmusikgruppe „Stubenattacke“. Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete schließlich die traditionelle Freisprechung. Mit den Worten: „Ich spreche euch frei von den Pflichten gegenüber eurem Ausbildungsmeister, sowie von der Pflicht, die Berufsschule zu besuchen. Ab heute habt ihr das Recht, eigenverantwortlich euer Leben zu gestalten und die Pflicht, das Wohl der Gesellschaft zu fördern und nach euren Möglichkeiten zur Entwicklung der Gesellschaft beizutragen“, entließ Obermeister Gebhard Winter die Absolventinnen und Absolventen offiziell in ihren neuen Lebensabschnitt.
Das Programm der Freisprechfeier kann hier heruntergeladen werden. Dokumentierende Bilder folgen in den nächsten Tagen.
